Sportrix Anita Portrait
Anita Birklbauer
03.11.2026

Bewegung ist Medizin: Was dein Herz davon hat

Warum Bewegung deinem Herzen guttut und weshalb du dafür kein Leistungssportler sein musst.

Regelmäßige Bewegung tut unserem Herzen gut. Das ist längst bekannt. Doch wie viel Bewegung brauchen wir tatsächlich? Ist mehr Training automatisch besser? Und können auch Menschen mit einer Herzerkrankung sportlich aktiv sein? Ein aktuelles wissenschaftliches Statement des American College of Cardiology (ACC) liefert dazu interessante Antworten.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Jede Bewegung zählt: Besonders groß ist der gesundheitliche Gewinn, wenn bisher wenig aktive Menschen beginnen, sich regelmäßig zu bewegen.
  • Ausdauer und Kraft ergänzen sich: Beide Trainingsformen gehören zu einem vielseitigen Bewegungsprogramm.
  • 150 Minuten als Orientierung: Für Erwachsene werden mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche empfohlen.
  • Auch mit Herzerkrankung aktiv bleiben: Viele Menschen mit stabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen profitieren von individuell angepasstem Training.
  • Die richtige Dosis ist entscheidend: Trainingsintensität und Umfang sollten zur persönlichen Leistungsfähigkeit und gesundheitlichen Situation passen.

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Warum Bewegung unserem Herzen guttut

Unser Herz ist ein Muskel, der uns Tag für Tag zuverlässig versorgt. Regelmäßige Bewegung unterstützt das Herz-Kreislauf-System und kann dazu beitragen, wichtige Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Bewegungsmangel positiv zu beeinflussen.

Dass Bewegung gesund ist, wissen wir eigentlich alle. Trotzdem kommt sie im Alltag häufig zu kurz. Zwischen Arbeit, Familie und anderen Verpflichtungen bleibt oft wenig Zeit für Sport.

Die gute Nachricht: Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umstellen. Schon mehr Bewegung im Alltag ist ein sinnvoller Anfang. Ein Spaziergang, der Weg mit dem Rad oder eine zusätzliche Runde an der frischen Luft können der erste Schritt sein. Es muss also nicht gleich ein umfangreiches Sport- oder Trainingsprogramm sein.

Das unterstreicht auch ein aktuelles wissenschaftliches Statement des American College of Cardiology, veröffentlicht im Oktober 2026 im Journal of the American College of Cardiology (JACC). Die zentrale Botschaft: Bewegung sollte ein selbstverständlicher Bestandteil der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.

Wie viel Bewegung ist eigentlich sinnvoll?

Für Erwachsene gelten 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche als Orientierung. Alternativ sind 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung möglich – oder eine Kombination aus beidem.

Das klingt zunächst nach viel. Auf mehrere Tage verteilt lässt sich das aber gut in den Alltag integrieren.

Moderate Bewegung bedeutet beispielsweise, dass du etwas schneller atmest, dich aber noch unterhalten kannst. Bei intensiver Bewegung wird das Sprechen deutlich anstrengender.

Wichtig ist dabei: Diese Werte sind eine Orientierung und kein Muss, das du von heute auf morgen erfüllen musst.

Wenn du bisher wenig aktiv warst, beginne mit kurzen Einheiten und steigere dich langsam. Wenn du bereits regelmäßig trainierst, kannst du überlegen, ob dein Trainingsumfang und deine Intensitäten zu deinen Zielen passen.

Mein Tipp: Suche dir eine Bewegungsform, die dir Freude macht. Denn das beste Training ist wenig wert, wenn du es nach zwei Wochen wieder aufgibst.

Ausdauer oder Kraft? Am besten beides!

Radfahren, Laufen, Schwimmen oder zügiges Gehen sind klassische Ausdaueraktivitäten. Sie trainieren unter anderem die Fähigkeit des Körpers, über längere Zeit körperlich aktiv zu sein.

Krafttraining ergänzt diese Belastungen. Es hilft, Muskelkraft zu erhalten und aufzubauen und unterstützt uns dabei, im Alltag leistungsfähig zu bleiben. Du musst dafür nicht täglich ins Fitnessstudio. Bereits zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche können eine gute Grundlage sein.

Entscheidend ist ein Bewegungsprogramm, das zu deinem Alltag, deiner Fitness und deinen persönlichen Möglichkeiten passt.

Du trainierst regelmäßig? Dann lohnt sich ein genauerer Blick

Wer bereits sportlich aktiv ist, hat oft andere Fragen: Wie kann ich meine Ausdauer verbessern? Trainiere ich ausreichend intensiv? Brauche ich mehr Erholung? Und bringt jede zusätzliche Trainingseinheit tatsächlich einen Vorteil?

Mehr Training bedeutet nicht automatisch mehr Fortschritt. Trainingsumfang, Intensität und Erholung müssen zusammenpassen.

Gerade bei Ausdauersportarten wie Radfahren, Laufen oder Triathlon kann es sinnvoll sein, die Belastung gezielt zu steuern. Dabei helfen das eigene Belastungsempfinden, die Herzfrequenz und – wenn es zur Fragestellung passt – eine Leistungsdiagnostik. Sie kann beispielsweise dabei unterstützen, die individuelle Belastbarkeit besser einzuschätzen und Trainingsbereiche genauer festzulegen.

Aber auch hier gilt: Nicht jede sportlich aktive Person braucht eine Leistungsdiagnostik. Ob sie sinnvoll ist, hängt von den Trainingszielen und der jeweiligen Situation ab.

Bewegung trotz Herzerkrankung – geht das?

Auch Menschen mit einer Herzerkrankung können häufig von regelmäßiger Bewegung profitieren. Welche Trainingsform und Intensität geeignet sind, hängt allerdings von der jeweiligen Erkrankung und der individuellen Belastbarkeit ab.

Das aktuelle ACC-Statement beschäftigt sich unter anderem mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen und verschiedenen Kardiomyopathien.

Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen den einzelnen Erkrankungen.

Bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit kann beispielsweise ein strukturiertes Ausdauer- und Krafttraining ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. Auch bei stabiler Herzinsuffizienz kann gezieltes Training die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessern.

Bei bestimmten Erkrankungen, etwa einer Myokarditis oder einer arrhythmogenen Kardiomyopathie, gelten hingegen besondere Vorsichtsmaßnahmen. Hier muss die Belastbarkeit fachärztlich beurteilt werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Versorgung ist die kardiologische Rehabilitation. Sie verbindet medizinische Betreuung, Bewegung, Training und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit.

Bewegung trotz Herzerkrankung bedeutet also nicht, einfach möglichst viel zu trainieren. Es geht darum, die passende Belastung zu finden.

Neue Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht während des Trainings sind Warnsignale und müssen medizinisch abgeklärt werden.

Muss ich vor dem Sport mein Herz untersuchen lassen?

Nicht unbedingt. Für die meisten beschwerdefreien Menschen ist eine routinemäßige Belastungsuntersuchung vor dem Einstieg in moderate Bewegung nicht zwingend erforderlich, schadet aber nie.

Anders sieht es aus, wenn Beschwerden bestehen, eine Herzerkrankung bekannt ist oder besondere Risikofaktoren vorliegen. Eine medizinische Beurteilung kann durchaus sinnvoll sein, bevor das Training gesteigert wird.

Wie finde ich die richtige Trainingsdosis?

Eine individuelle Trainingsplanung berücksichtigt nicht nur die sportlichen Ziele, sondern auch den Gesundheitszustand, die bisherige Belastbarkeit und die Reaktion des Körpers auf körperliche Aktivität und deine Alltagssituation.

Das ACC-Statement beschreibt dafür das sogenannte FITT-Prinzip. Ergänzt wird dieses Prinzip durch eine schrittweise Steigerung der Belastung.

Für sportlich Aktive kann eine Leistungsdiagnostik aber eine genauere Orientierung geben. Mit einer Spiroergometrie lassen sich beispielsweise die Atemgasreaktionen während einer Belastung untersuchen und die individuelle Leistungsfähigkeit genauer beurteilen.

Bei Menschen mit einer Herzerkrankung kann eine Belastungsuntersuchung – abhängig von der medizinischen Fragestellung – außerdem helfen, die Belastbarkeit einzuschätzen und geeignete Trainingsbereiche festzulegen.

Entscheidend ist, die Untersuchung dann einzusetzen, wenn sie eine konkrete Frage beantworten kann.

Mein Fazit: Fang dort an, wo du gerade stehst

Du musst nicht besonders schnell laufen, hunderte Kilometer Rad fahren oder jeden Tag eine Trainingseinheit absolvieren, um etwas für deine Gesundheit zu tun.

Wenn du bisher wenig Bewegung in deinen Alltag integrierst, beginne mit kleinen Schritten. Wenn du bereits regelmäßig trainierst, achte darauf, dass deine Belastung zu deinen Zielen und deiner Erholung passt. Und wenn du mit einer Herzerkrankung lebst, lass dich dabei unterstützen, eine für dich geeignete Form der Bewegung zu finden.

Bewegung ist Medizin – aber sie muss nicht für alle gleich aussehen.

Genau darum geht es bei Sportrix: Bewegung und Training so zu gestalten, dass sie zu dir, deinen Voraussetzungen und deinen Zielen passen.

Denn am Ende zählt nicht nur, wie viel du trainierst. Es zählt auch, dass du langfristig in Bewegung bleibst.

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Häufige Fragen

Wie viel Bewegung brauche ich für ein gesundes Herz?

Als Orientierung gelten für Erwachsene 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Wenn du bisher wenig aktiv bist, beginne mit kürzeren Einheiten und steigere dich schrittweise.

Ist Radfahren gut für das Herz?

Radfahren ist eine gute Möglichkeit, die Ausdauer zu trainieren. Wie intensiv du fahren solltest, hängt von deiner Fitness, deinen Zielen und deinem Gesundheitszustand ab.

Kann ich mit einer Herzerkrankung Sport treiben?

Bei vielen stabilen Herzerkrankungen ist angepasstes Training möglich und sinnvoll. Die passende Belastung sollte individuell und bei Bedarf gemeinsam mit dem behandelnden medizinischen Team festgelegt werden.

Brauche ich eine Leistungsdiagnostik?

Nicht unbedingt. Sie liefert aber dennoch die Voraussetzung dafür, wenn du deine Trainingsbereiche genauer bestimmen, deine Leistungsfähigkeit besser verstehen oder eine konkrete Fragestellung klären möchtest.

Myers J et al. DOI: 10.1016/j.jacc.2026.09.008

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