Eine aktuelle Review-Arbeit von André Rebelo und Kolleg:innen zeigt, wie ein multidimensionales Monitoring-System Athlet:innen und Coaches helfen kann, Training optimal anzupassen und langfristige Leistungsentwicklung zu fördern. Der zentrale Gedanke:
Training wirkt nicht nur über Belastung – sondern über die Reaktion des Körpers auf diese Belastung.
Vom „Bist du bereit?“ zum Verständnis der Trainingseffekte
Früher konzentrierte sich Trainingsüberwachung stark auf eine einfache Frage: „Ist der Athlet heute bereit zu trainieren?“
Heute sieht man das viel differenzierter. Entscheidend sind die Trainingseffekte, also die Gesamtreaktion des Körpers auf Training, Wettkampf und Stress. Und diese können drei Formen annehmen:
- Positive Anpassung = Leistungssteigerung
- Erhaltung, also das Leistungsniveau bleibt stabil
- Maladaptation = Überlastung, Verletzungsrisiko oder Leistungsabfall
Anders gesagt bedeutet das also:
Ein kurzfristiger Leistungsabfall ist nicht automatisch schlecht, er kann sogar bewusst auch Teil eines erfolgreichen Trainingsprozesses sein (weswegen der Prozess bei uns Sportwissenschafter:innen immer im Hinterkopf ist und nicht die einzelnen Einheit, der einzelne Tag etc).
Wie Training im Körper wirkt
Training löst somit eine Kaskade von Reaktionen bei uns aus:
- Trainingsbelastung (z. B. Laufkilometer, Gewichte, Intensität)
- Physiologische und psychologische Reaktion
- Fatigue / Ermüdung
- Readiness (Tagesform)
- Langfristige Anpassung oder Überlastung

Der entscheidende Punkt ist, dass Trainer:innen nicht nur Belastung messen, sondern wie der Körper darauf reagiert.
Die drei zentralen Bereiche im Athleten-Monitoring
Die Forschung unterscheidet drei Hauptbereiche, die regelmäßig beobachtet werden sollten.

1. Trainingsbelastung (Training Load)
Das ist der Input des Trainingssystems. Man unterscheidet dabei zwei Bereiche:
Externe Belastung
Was tatsächlich gemacht wurde:
- Laufdistanz
- Anzahl Sprints
- Gewicht im Krafttraining
- Sprünge oder Beschleunigungen
Interne Belastung
Wie der Körper darauf reagiert:
- Herzfrequenz
- subjektive Belastung (RPE)
- Laktat oder physiologische Marker
Beispiel:
Zwei Athleten laufen 10 km – aber der eine ist völlig erschöpft, der andere kaum.
Die interne Belastung ist unterschiedlich.
2. Athletenzustand (Fatigue & Readiness)
Hier geht es um die aktuelle Tagesform. Typische Monitoring-Tools dafür sind:
Neuromuskuläre Tests
Sehr verbreitet im Leistungssport:
- Countermovement Jump
- Isometrische Krafttests
- Velocity-Based Training (Barbell Speed)
Diese Tests reagieren sensibel auf Ermüdung im Nervensystem.
Subjektive Daten
Diese werden oft unterschätzt und als "lapidar" abgetan, weil old-school, sind aber extrem wertvoll:
- Muskelkater
- Stress
- Schlafqualität
- Motivation
Kurze Fragebögen zur subjektiven Verfassung können aber auch schon früh erkennen lassen, wenn sich Überlastung anbahnt.
Physiologische Marker
Zum Beispiel:
- Herzfrequenzvariabilität (HRV)
- Ruhepuls
- Creatin-Kinase (CK)
Diese Marker zeigen, wie gut sich der Körper vom Training erholt. Sie sind bei mir noch immer eine der leichtesten, aber auch schon alten und überdauernden Methoden
3. Trainingsanpassung (Training Response)
Dieser Bereich zeigt, ob das Training wirklich funktioniert. Typische langfristige Marker für diesen Bereich sind:
- hormonelle Veränderungen (Testosteron/Cortisol-Ratio)
- Entzündungsmarker
- Leistungsentwicklung über Wochen
Sie zeigen, ob ein Athlet besser wird oder stagniert oder vielleicht auch überlastet ist.
Schlaf: der unterschätzte Performance-Faktor
Schlaf ist wahrscheinlich der wichtigste Regenerationsfaktor im Sport. Jeder sucht immer nach optimalen Regenerationsmaßnahmen, die nicht selten extrem teuer sind. Der Schlaf ist extrem effektiv, kostet wenig und ein wahrer Boost für deinen Leistung. Denn schlechter Schlaf kann auch einigen Ebenen negativ einwirken und dadurch die Entscheidungsfähigkeit verschlechtern, die Müdigkeit erhöhen, das Verletzungsrisiko steigern und dadurch auch die Trainingsanpassung negativ beeinträchtigen. Bei vielen Teams gehört das Schlafmonitoring auch deshalb dazu und umfasst häufig u.a.:
- Schlafdauer
- Schlafqualität
- Einschlafzeit
Gemessen wird das oft über Wearables oder einfache Schlaf-Fragebögen.
Der wichtigste Punkt: Individualisierung
Ein großer Fehler im Monitoring ist die Orientierung an Durchschnittswerten.
Die Forschung zeigt, dass Veränderungen immer relativ zur individuellen Basislinie eines Athleten interpretiert werden sollten.
Ein Beispiel:
- HRV-Abfall bei Athlet A = Problem
- HRV-Abfall bei Athlet B = normaler Trainingsstress
Deshalb arbeiten moderne Monitoring-Systeme mit:
- individuellen Mittelwerten
- Standardabweichungen
- persönlichen Schwellenwerten
Weniger Daten, bessere Entscheidungen
Eine wichtige Empfehlung der Studie ist das MAA-Prinzip:
Monitoring sollte sein:
- Minimal – möglichst wenig Aufwand
- Adequat – ausreichend für die Trainingsfrage
- Akkurat – valide und zuverlässig
Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Entscheidungen.
Fazit für ambitionierte Athlet:innen
Intelligente Trainingssteuerung basiert auf drei entscheidenden Fragen:
- Wie viel trainiere ich? (Belastung)
- Wie reagiert mein Körper heute? (Readiness)
- Verbessere ich mich langfristig? (Trainingseffekt)
Wer diese Ebenen kombiniert, kann:
- Übertraining vermeiden
- Regeneration optimieren
- Leistung langfristig steigern
Monitoring ersetzt kein Training –
aber es hilft, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen.
Zusammenfassend hier noch eine Step-by-step guide für das individuelle Athleten-Monitoring.

Rebelo et al. Monitoring Training Effects in Athletes: A Multidimensional Framework for Decision-Making. Sports Med (2026). https://doi.org/10.1007/s40279-026-02417-4





