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Anita Birklbauer
27.5.26

Streikt beim Hungerast wirklich das Gehirn – und nicht die Beine?

Neue Studie stellt die klassische Theorie des „Bonks“ infrage. Fast alle Sportler:innen kennen das Gefühl: Die Beine bewegen sich zwar noch, aber plötzlich scheint der Körper komplett „abzuschalten“. Die Kraft verschwindet, der Kopf wird leer, das Tempo bricht ein – der gefürchtete Hungerast ist da.

Lange Zeit galt in der Sportwissenschaft eine einfache Erklärung: Die Muskeln haben ihre Glykogenspeicher aufgebraucht und verfügen nicht mehr über genügend Energie. Doch eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit stellt genau diese Theorie nun infrage.

Neue Sichtweise: Der Hungerast beginnt möglicherweise im Gehirn

Die 2026 veröffentlichte Studie „Carbohydrate Ingestion on Exercise Metabolism and Physical Performance“ analysierte mehr als 160 wissenschaftliche Arbeiten aus über 100 Jahren Forschung.

Die überraschende Schlussfolgerung:

Der klassische „Bonk“ könnte weniger durch leere Muskeln entstehen, sondern vielmehr durch sinkenden Blutzucker, den das Gehirn registriert.

Die Forscher vermuten dabei, dass das Gehirn bei niedrigen Glukosewerten bewusst die Muskelaktivierung reduziert, um den Körper vor ernsthafter Erschöpfung zu schützen. Anders gesagt:
Die Beine hätten möglicherweise noch Reserven, doch das Gehirn zieht vorsorglich die Notbremse.

Der Körper schützt sich selbst

Man kann sich das wie die Warnleuchte im Auto vorstellen:

  • Der Tank ist noch nicht komplett leer.
  • Aber die Warnlampe signalisiert: „Jetzt wär es bald mal an der Zeit, nachzutanken.“

Genau so könnte auch der Hungerast funktionieren. Das Gehirn erkennt sinkende Energiereserven und reduziert die Leistungsfähigkeit, bevor kritische Zustände entstehen.

Interessanterweise stammt diese Idee nicht erst aus der modernen Forschung. Bereits in den 1930er-Jahren beschrieben skandinavische Wissenschaftler Ermüdung als:

„ein hypoglykämisches Symptom zerebralen Ursprungs“

was mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet: ein durch niedrigen Blutzucker ausgelöstes Signal aus dem Gehirn.

Was bedeutet das für Sportler:innen?

In den letzten Jahren hat sich die Ernährung im Sport massiv verändert. Viele Amateure und Profis vertrauen heute auf eine evidenzbasierte Betreuung im Bereich Sporternährung. Das Ziel ist klar:
sich optimal vorzubereiten, den Blutzucker stabil halten und im Training wie im Wettkampf Leistungseinbrüche vermeiden.

Die wichtigste Erkenntnis: Frühzeitig essen

Die Studie bestätigt aber vor allem eines, unabhängig vom Leistungsniveau:

Regelmäßige Energiezufuhr ist wichtiger als erst zu essen, wenn man sich bereits schwach fühlt. Schon kleine Mengen Kohlenhydrate können helfen:

  • den Blutzucker stabil zu halten,
  • Ermüdung hinauszuzögern,
  • und das Gehirn davon abzuhalten, die Leistung frühzeitig zu drosseln.

Die neue Forschung verändert möglicherweise unser Verständnis von Ermüdung im Ausdauersport. Der Hungerast scheint nicht ausschließlich ein Problem leerer Muskeln zu sein. Vielmehr spielt das Gehirn offenbar eine zentrale Rolle bei der Regulierung unserer Leistungsfähigkeit.

Oder anders gesagt:

Vielleicht geben nicht zuerst die Beine auf – sondern das Gehirn entscheidet, dass es Zeit wird, einen Gang zurückzuschalten.
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