Sport bei Herzerkrankung wird immer ein wichtigeres Thema. In jeder Reha, in jedem Zentrum ist Bewegung eine der tragenden Säulen der Therapie und Betreuung. Aber raus aus der Reha und dann? Was darf man, was soll man meiden, wie soll meine Training aussehen? Das ist genau jener Bereich, wo ich seit über 15 Jahren meine Energie und Motivation reinstecke. Denn nur weil man herzkrank ist, heißt es noch lange nicht, dass man komplett auf Sport verzichten muss. Ganz im Gegenteil, der Sport ist auch dann der Motor, den unseren inneren Taktgeber (= Herz) gut tut.

Herzinsuffizienz

Weltweit sind ca. 2-4% der Bevölkerung von Herzinsuffizienz betroffen, das sind über 60 Millionen und es werden immer mehr, weil wir älter werden u.a. auch weil die Diagnostik und Betreuung immer besser wird. Regelmäßige Bewegung tut unserem Körper gut. Die positiven Nebenwirkungen sind gesteigerte Mobilität und zudem nimmt die Mortalität ab, weil durch Bewegung die Risikofaktoren der koronaren Herzerkrankung reduziert werden (siehe Grafik). Ebenso weiß man auch schon aus zahlreichen Studien, dass die kardiorespiratorische Fitness – also wie rund unser Körper läuft und wie gut er versorgt wird –  im mittleren Alter einen guter Prediktor für die Herzinsuffizienz darstellt.

Grafik aus: Lindgren & Börjensson (2021)

Bewegung und Sport kommen auch in den entsprechenden und aktuellen Guidelines (also den Empfehlungen von medizinischen Fachgesellschaften) vor. Jedoch  – so wie bei allen anderen sportlichen Personen auch und vielleicht so gar noch ein bisschen mehr – lässt sich’s auch bei sportbegeisterten Personen mit Herzinsuffizienz nicht nach dem one-size-fits-all Prinzip angehen. Vielmehr ist auch hier in Anlehnung an die Guidelines, an den aktuellen Status der Person und in Absprache mit dem betreuenden Mediziner die Bewegung individuell, maßgeschneidert und persönlich vorzunehmen. Aber selbst bei den guidlines ist es so, dass man auch hier sagen muss, es geht nicht immer nach dem one-guideline-fits-all Prinzip. Bei der Herzinsuffizienz wurden in letzter Zeit mehrere Unterteilungen vorgenommen. Dadurch gibt es bei der Herzinsuffizienz ein sehr unterschiedliches Bild bezogen auf das Training. Wichtig ist und bleibt, sich für jeden Patienten die Guidelines vorzunehmen, um das Training entsprechend individuell umzusetzen.

Sport ja, aber wie soll ich mich belasten?

Ja, was darf denn ein Herzpatient nun alles? Training ja und dann? Grundsätzlich orientiert man sich am sogenannten FITT-Prinzip. So hat man schon mal eine gute Orientierung. Wenn es jedoch um die Art und den Typ des Trainings geht, hängt das natürlich immer ein bisschen von der einzelnen Person ab. Empfehlungen gibt es aber genug, die belegen, dass es diverse Alternativen gibt. Neben den klassischen Ausdauer- und Krafttraining ist auch HIIT-Training erlaubt. Gerade das HIIT ist eine sehr willkommene Alternative, verlangt aber entsprechendes Wissen, was die zugrundeliegende Herzerkrankung bewirkt, Ischämiegrenze, Rhythmusstörungen, etc. Daraus ergeben sich Intervalle und Intensitäten. Ist man sich im Klaren, was wie einzuhalten ist, wo man besonders ein Augenmerk drauf richten muss, dann gibts natürlich auch noch das Wasser, die Atmung oder Koordination als Trainingsoptionen. Wie dein Training genau aussieht, schauen wir uns dann an, denn Herzerkrankung ist nicht gleich Herzerkrankung. Und nachdem weder one-size nicht one-guideline-fits-all gilt, setzen wir uns zusammen und schauen, dass dein Training genau für deine Erkrankung, deine Möglichkeiten und dich persönlich passt. 

Literatur: Lindgren & Börjensson (2021). Diabetes Res Clin Pract. Jun;176.