Deine sportliche Leistung hängt vom einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher biologischer Systeme ab. Wie kannst du feststellen, dass alles passt, und etwas nicht was harmonisch läuft? 

Gesundheitschecks für Sportbegeisterte

Du hörst es nach Wettkämpfen, Gruppenausfahrten oder wann immer Sportler beisammen stehen. „Meine Beine sind einfach leer.“, „ich hab mich einfach matt gefühlt“, „heute ist einfach gar nichts gegangen“… auch die fittesten Sportler erleben Tage wie diese. Normalerweise ist es ja nur ein Tag, der so läuft. Aber es kann auch bedeuten, dass im Körper einfach was nicht stimmt.

Ein plötzlicher Leistungseinbruch, sich matt und ausgepowert fühlen, oder wie auch immer du das auch bezeichnest – vielleicht ist das ein früher Hinweis deines Körpers? Es muss nicht gleich eine Krankheit sein, aber es kann darauf hindeuten, dass eines deiner Systeme nicht so funktioniert wie es soll. Ein System, dass du aber brauchst, um dich wohl beim Sportler zu fühlen und gesund zu bleiben.

Wenn beim Auto etwas nicht funktioniert, dann siehst du gleich eine Warnlampe aufleuchten und du bringst es in die Werkstatt. Die einzige Warnleuchte, die du als Sportler hast, ist dein Körpergefühl, das Gefühl beim Pedalieren, die frischen Beine, das Feeling beim Vorhandschlag etc. Wenn diese Warnlampe aufleuchtet, dann gibt es einige Tests, um dein Gefühl zu überprüfen. Idealerweise sollst du die Tests in regelmäßigen Abständen machen, damit ein mögliches Problem bald diagnostiziert und behandelt werden kann.

Viele Profi-Sportler müssen sich regelmäßig solchen Tests unterziehen. Viele nationale Kader verlangen diese ebenfalls. Regelmäßige Gesundheitschecks sollen aber auch von dir in Betracht gezogen werden. Dabei geht es nicht nur um die Leistung, nein dabei geht es auch um deine Gesundheit. 

Folgend schildere ich dir einige  wesentliche Tests, die für Sportler gut wären.

Sehtest

Über einen Sehtest denken die meisten von uns erst nach, wenn sie älter werden. Erst dann, wenn wir beginnen, Bücher oder Zeitungen weiter weg zu halten, um noch was lesen zu können. Aber Sehtests können dir auch vorher schon helfen. Dabei gehts nicht nur darum, dass du Löchern auf der Straße besser ausweichen kannst oder vielleicht den Verteidiger früher siehst. Nein, so spielt z.B. auch der Blutdruck für die Augen eine Rolle. Er beeinflusst, wie die kleinen Blutgefäße in der Retina in Schuss sind und kann diese schädigen. Eines der ersten Anzeichen von Diabetes kann auch beim Augenarzt erkannt werden. Wenn du z.B. immer wieder mal verschwommen siehst, kann die Ursache auch im Blutzuckerspiegel liegen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass deine Augen doch beim Sport draußen im Sonnenschein immer dem UV-Licht ausgesetzt sind. Vielleicht einfach mal in einen adäquaten UV-Schutz investieren, um den Augen den perfekten Schutz zu gewähren. 

Zahnarzt

Gesunde Zähne sind etwas, das beim Sport selten in Bezug auf die Leistung angesprochen wird. Dabei kann jede Infektion des Zahnfleisches die Fitness beeinflussen und vor allem auch zu gravierenden Problemen im Körper führen. Zahnlöcher oder kaputte Füllungen sind genauso ein rotes Licht wie entzündetes Zahnfleisch. Wenn du zu lange wartest, kann es zu langen Trainings- oder Wettkampfpausen führen. Ein Infekt im Rachen und Mundbereich macht auch leider vor dem Herz nicht halt und so kann es dadurch auch zu einer Herzmuskelentzündung kommen. Gibt es leider immer wieder mal; also regelmäßig putzen, dann hast du schon mal die wichtigste Hausaufgabe erfüllt. 

Wie überall – Prävention ist besser als die Heilung nach einer Verletzung oder Krankheit.

Kardiologische Untersuchung

Jeder, der ernsthaft und mit einem Ziel zu trainieren anfängt, sollte sich zuerst mal einem kardiologischen Screening unterziehen. Bei jüngeren (unter 35 Jahren) sind es primär zwei genetische Herzkrankheiten, auf die dabei gescreent wird: die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) und die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC). Manchmal gibt es bei der ARVC Warnsignale, die darauf hindeuten – Anfälle von schnellem Herzschlag assoziiert mit Schwindel oder sogar Synkopen, aber es gibt keine Signale bei der HCM.

Die zwei Krankheiten können durch ein EKG und ein Echo (Herzultraschall) entdeckt werden. 

Wie schaut’s bei Personen über 35 aus? „Screening kennt kein Alter! Auch wenn man schon lange sportlich unterwegs ist, kann man vielleicht die genetischen Herzkrankheiten ausschließen. Viele der Sportler über 50, die an Herzproblemen leiden, leiden an einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Bei der KHK wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, weil die Koronararterien zu eng sind.“ meint der im Radsport tätige Kardiologe Dr. Dayer.

Wenn es um Herzrhyhtmusprobleme geht, dann ist die Pulsuhr ein perfektes Tool, um hier Unregelmäßigkeiten festzustellen. Merkst du, dass du immer wieder mal Herzrasen hast – unabhängig von einer Belastung – oder erholt sich dein Herz einfach nach einem anstrengenden Anstieg nicht und die Herzfrequenz bleibt viel zu hoch, dann solltest du mal ein Belastungstest beim Kardiologen ins Auge fassen. Sogenannte Re-entry-Tachykardien können einem Radfahrer das Leben auch erschweren und die sollten abgeklärt werden.

Trotzdem ist es wichtig, daran zu denken, dass fast jeder Sport selbst ein großartiges Präventionsmittel darstellt, um die Herzfunktion aufrechtzuerhalten.

Blutwerte

Reguläre Bluttests versichern dir, dass beim Hormonstatus und bei den Spurenelementen alles in Ordnung ist. So kann man Anaemie oder ein zu hohes Cortisol-Level früh behandeln. 

Gerade Cortisol, eines unserer Stresshormone, ist ein Indikator, der auch bezüglich Übertraining aussagekräftig ist. Gerade ein hohes Level an Cortisol, im Gegensatz zu einem niedrigen Testosteronlevel, betrifft nicht nur Sportler. Ein hohes Cortisol-Testosteron-Verhältnis kann auch durch Stress verursacht werden, was gerade in unserer 24 Stunden / 7 Tage die Woche-Gesellschaft oder wie jetzt in der Pandemie ein Problem sein kann. Bluttests zeigen uns auch wie es bei Mineralstoffen und Vitaminen aussieht. Auch deren Werte sagen viel über die generelle Gesundheit und das Immunsystem aus. 

Wenn der Cortisolspiegel nicht mehr dort ist, wo er hingehört, kann das einen Einfluss auf dein Hungergefühl haben. Du wirst dazu verleitet, mehr kalorienhaltige Nahrung aufzunehmen. Außerdem kann es zu einem Verlust der Muskelmasse führen und dafür mehr Fett einspeichern. Ein hohes Cortisol-Level kann ich deinen Blutzucker steigen lassen, sodass mehr Insulin produziert werden muss und dadurch das viszerale Bauchfett zunimmt. Hormone unterliegen Interaktionen. Deshalb muss bei der Analyse von Blutwerten immer darauf Rücksicht genommen werden, was der Sportler vorher trainiert hat. Wenn er gerade von einem Trainingslager zurückkommt, sieht man natürlich andere Ergebnisse als wenn er gerade in der Off-Saison war. Gerade deswegen ist es wesentlich, Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren.

Allergien & Unverträglichkeiten

Asthma als Diagnose wird immer häufiger. Wenn du merkst, dass du beim Atmen einen gewissen Widerstand spürst, zu gewissen Zeiten im Jahr während du sportlich tätig bist, dann kann es sein, dass du an Asthma leidest. Schaue einfach mal zu einem Lungenfacharzt, Asthma ist gut behandelbar.

Ähnlich ist es bei Unverträglichkeiten. Fühlst du dich immer wieder mal aufgebläht, wenn du gewissen Nahrungsmittel zu dir genommen hast, dann leidest du vielleicht an einer Unverträglichkeit. Lässt du das Nahrungsmittel einfach mal weg und die Symptome verschwinden, dann hast du dich gut selbst diagnostiziert. 

Das gleiche trifft bei Energy-Drinks zu. Coeliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die den Darm beeinträchtigt. Es kann durch Gluten getigert sein, es ist aber oft auch sehr schwer zu diagnostizieren – die Anzahl an Leuten, die meinen an einer Gluten-Unverträglichkeit zu leiden ist viel höher als die Anzahl jener, die wirklich darunter leiden. Wenn sich dein Bauch gebläht anfühlt, nachdem du Weizenprodukte gegessen hast oder wenn du immer wieder an Durchfall leidest, dann kann dies eine Option sein.

Blutdruck

Jung, sportlich, Blutdruckproblem?

Oh, ja! 

Radfahrer sind generell fitter als die Durchschnittsbevölkerung, so sollten auch die Blutdruckwerte in der Norm sein bzw. sogar niedriger als die Norm. Das heißt aber nicht, dass Sportler kein Blutdruck-Problem haben können. Das Tückische bei Blutdruck wie bei vielen Herzkrankheiten ist ja leider, dass man oft lange davon nichts merkt. Oft stellt er ein schleichendes Problem dar. 

Hohe Blutdruckwerte sollen auf alle Fälle abgeklärt werden, da Sport mit hohem Blutdruck zu schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Die Behandlung ist sehr gut möglich, auch die Sportausübung, aber unbehandelt ist zu Blutdruck eine tickende Zeitbombe, die nur allzuoft pauschalisiert wird.

Knochendichte

Knochenmasse spielt in deiner Gesundheit, Fitness und deinem Wohlbefinden eine entscheidende Rolle. Gerade bei Radfahrern oder Schwimmern ist die Knochendichte von großem Interesse, weil der Sport zu keinen großen Impact-Kräften auf den Knochen  führt – das Rad fängt viel der Vibrationen an, nicht unsere Gliedmaßen. Knochen brauchen Impact-Kräfte – und davon kriegt er bei sanften Sportarten einfach zu wenig ab.

Die Knochendichte testen zu lassen, geht nur in einzelnen Krankenhäusern. Es gibt aber einfache Wege, um den Knochen mit den richtigen Reizen zu versorgen. Krafttraining, leichtes Sprungtraining wie Springschnur Springen oder Koordinationsübungen, sind einfach Möglihckeiten, um den Knochen das zu liefern, was er für seine Gesundheit braucht. Da die Knochendichte automatisch mit dem Alter abnimmt, darf im  Hinterkopf auch immer das Thema Ostheoporose schwirren, weil dies durch die fehlenden Impacts auch zu einem größeren Problem wird.

Darm

Für den Darm gibt es nicht den Standard-Test, aber einfach sicher zu sein, dass dein Verdauungstrakt gut funktioniert schützt dich vor möglichen Mangelerscheinungen. Wenn der Darm nicht einwandfrei funktioniert, dann kann er zwar die notwendigen Makronährstoffe – Fett, Kohlehydrate, Proteine – aufnehmen, aber nicht alle notwendigen Mikronährstoffe, die dein Körper zum einwandfreien Funktionieren benötigt. 

Wie hältst du deinen Verdauungstrakt in Schuss?

Eine gute Magen-Darm-Flora schützt durch den natürlichen pH-Wert und das kann durch Probiotika unterstützt werden. Probiotika führen dazu, dass sie harmlose Darminfektionen bekämpfen indem sie  die Anzahl an Lymphozyten erhöhen. Zusätzlich wirken sie anti-inflammatorisch, was deswegen wichtig ist, weil ein entzündeter Darm nicht gut verdaut und nicht  die nötigen Nährstoffe aufnehmen kann. 

Am Besten achtet man einfach selbst drauf, wie sich der Darm verhält. Bei häufigen Durchfall, wiederkehrenden Bauchkrämpfen, Stuhlunregelmäßigkeiten könnten Probiotika schon mal helfen. 

Ein weiterer Vorteil von Probiotika im Winter schien zu sein, dass sie die Infektanfälligkeit der Atemwege im Winter positiv beeinflussen.

Der Blogbeitrag ist in Anlehnung an einen Beitrag von Chris Sidwells „Warning lights: Nine health checks for cyclists