Musik fürs Training oder doch lieber Training für Musiker?

Leistungssport, so wie viele ihn wahrnehmen, geht häufig an die Grenzen der Leistungsfähigkeit und bewegt sich am Limit der körperlichen Belastbarkeit. Um die Leistungsfähigkeit zu erreichen und in den richtigen Zustand zu kommen, sieht man immer wieder Profisportler vor dem Start oder vor dem Spiel mit Kopfhörer herumlaufen. Bei dem einen ist es entspannte Klassik, beim anderen Heavy Metal – aber Musik ist bei allen in der Vorbereitung und der Regeneration mit dabei. Die Wirkung von Musik auf die Leistung und ihr Effekt in den unterschiedlichen Trainingseinheiten sind gut dokumentiert (u.a. in Gasenzer und Leischik, 2016). 

Hier werden die allseits bekannten Effekte von Beschleunigung oder Senkung des Pulsschlags und die Zunahme oder Verminderung des Herzschlagvolumens kurz dargebracht. Dies sind die Effekte, die für Leistungs- oder auch Hobbysportler sowohl für die Aktivierung als auch für die Entspannung herangezogen werden. 

Musiker selber betreiben ebenfalls Leistungssport, der oft nicht als solcher betrachtet wird.

 

Doch wie sieht es mit dem anderen Leistungssportlern aus?

Viele Musiker leiden an Überlastungssyndromen, die denen von “echten” Leistungssportlern ähneln. Dynamische und statische Dauerbelastung beim Spielen bis zur Erschöpfung, Sport war sowieso lange verpönt und das Leben mit anderen Interessen neben dem Instrument zu variieren war auch nicht so erwünscht und aufgrund der Zeitknappheit kaum integrierbar. Zu den Proben kommen dann noch die Konzerte, der Stress vor dem Auftritt und der Stress auf der Bühne hinzu. Oftmals sind Musiker der eigenen Konkurrenz ausgesetzt, wodurch das Herz-Kreislauf-System auch in jeder Probe einem gewissen Stress und einer Versagensangst ausgesetzt ist.

Wir Sportwissenschafter lieben die Leistungsdiagnostik und die Betreuung von bewegungsfreudigen Menschen. Trainingspläne werden geschmiedet, um den Marathon, den Volkslauf, den Triathlon in einer gewissen Zeit zu absolvieren.

Genauso sieht es auch für Musiker aus. Diese Berufsgruppe braucht ihren eigenen Trainingsplan und ihre eigene Betreuung. Trainingspläne für Berufsmusiker zum Alltagsausgleich. Krafttraining, Ausdauertraining, Koordinationstraining, Regeneration… Elemente wie beim Leistungssportler. Nur, dass eben beim Musiker noch die Komponente Musik im Trainingsplan dazukommt, die auch ihren Platz finden muss.

Wenn wir uns hier die durchschnittlichen täglichen Übungsstunden anschauen, stehen Musiker den Sportlern um nichts nach! 

durchschnittliche tägliche Übungszeiten

0
Klavier
0
Hohe Streicher
0
Violoncello
0
Schlagzeug Gitarre
0
Holz- & Blechbläser
0
Harfe

(vgl. Skarabis 2005)

Literatur

Mastnak, W. Sportmedizin und Musikermedizin – Parallelen und Transfer-Benefits. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 2016; 67: 287-292

Gasenzer, E. R. & Leischik, R. Musik, Puls, Herz und der Sport. Herz. 2018; 43: 43